Die Generation der Gründerväter (1897 - 1922)

Sechseläutenplakat 1897

Mitte Februar 1897 wurde die Zunft zu den Drei Königen vom Zentralkomitee offiziell in den Kreis der Zürcher Zünfte aufgenommen. Im Vorstand der Zunft waren - neben Zunftmeister Elias Hasler - Statthalter Leonhard Vaterlaus, Zunftschreiber Adolf Schmid, Zunftpfleger Dr. W. Onufrowicz, Stubenmeister Julius Weinmann, Zeugwart Heinrich Schäppi und Delegierter im ZZZ Gottfried Bühler-Landolt. Die Zunft wurde sogleich in die Detailplanung für den bevorstehenden grossen Sechseläutenumzug vom 26. April 1897 miteinbezogen. Geplant war ein der "Jugend in Geschichte und Märchen" gewidmeter Festumzug. Die Zeit drängte, da die Zunft zu den Drei Königen noch keine Kostüme, Laternen und Zunftzeichen besass.

Am Mittagsbankett des Frühlingsfestes geschah die feierliche Übergabe des Zunftbanners und des silbernen Zunftbechers. Am Nachmittag war der grosse Festumzug. 44 Zünfter und Zünfterssöhne marschierten voller Stolz als Gruppe der „Münsterschule“ zur Zeit Karls des Grossen mit. Nach dem Nachtessen in der Stube begannen die gegenseitigen Zunftbesuche. Der Reiz dieser nächtlichen Züge war, vor allem bei den jungen Zünftern gross. Gefühle der Verbundenheit mit der alten, bedeutenden Stadt und des Stolzes, an den städtischen Traditionen des Sechseläutens teilhaben zu dürfen, liessen das Herz der Zünfter höher schlagen. Der Dichter J.C. Heer hatte einen Zunftgruss geschrieben, welcher durch acht Zünfterssöhne den anderen Zünften überbracht wurde.

Kurz nach dem ersten Sechseläuten übernahm die Zunft zur Schmiden die Patenschaft für die Zunft zu den Drei Königen. Sie überreichte als Patengeschenk einen silbernen Becher und bekräftigte in Rede und Gegenrede die gemeinsame Verbundenheit. Im darauf folgenden Jahr gab es kein grosses Frühlingsfest, dafür engagierten sich die Zürcher Zünfte an der Eröffnungsfeier des Landesmuseums. Von 1899 – 1901 fanden keine Sechseläuten-Festumzüge statt. Eine Bau- und Immobilienkrise erschütterte die Stadt Zürich.

Am Sechseläuten 1902 stellte die Zunft zu den Drei Königen die Gruppe "Neptun" mit Seeleuten aller Nationen und dem Admiral der Schweizerfoltte.

1902 wurde wiederum ein historischer Sechseläuten-Festumzug zum Thema „Vom hohen Olymp herab“ durchgeführt. Die Zunft zu den Drei Königen übernahm die Gruppe „Neptun“, mit Seeleuten aller Nationen und dem Admiral der Schweizerflotte. Die nicht kostümierten Zünfter trugen erstmals einen blauen Fez als Symbol für die Verbundenheit der Zunft mit dem Morgenland.

1903 wurde der „Böögg“ zum letzten Mal im Fraumünsterquartier und 1904 erstmals auf dem alten Tonhalleplatz beim Bellvue verbrannt. Am Sechseläuten von 1907 trat die Zunft erstmals mit ihrer Wappengruppe, den heiligen Drei Königen, in Erscheinung. Die Kämbelzunft schenkte der Zunft zu den Drei Königen, welche ihr 10-jähriges Jubiläum feierte, eine prächtige Silberkanne.

Zur Eröffnung des Kunsthauses  fand 1910 ein grosser Sechseläuten - Festumzug statt zum Thema "Bildende Künste" Die Zunft zu den Drei Königen stellte verschiedene Figuren der Maler Koller und Böcklin dar.

Zur Eröffnung des Kunsthauses (1910) fand ein Sechseläuten-Festumzug statt, welcher sich mit dem Thema „Bildende Künste“ befasste. Der nächste Sechseläuten-Festumzug fand 1914 zur Einweihung der neuen Universität Zürich statt. Dargestellt wurden Bilder aus der Geschichte des wissenschaftlichen Lebens der Ägypter, Babylonier, Israeliten, Griechen, Römer, Araber usw. Die Zunft zu den Drei Königen übernahm die Gruppe „Ägypter“.

Drei Monate später, am 1. August 1914, brach der Krieg aus. Viele Zünfter wurden eingezogen. Während den Kriegsjahren waren die Sechseläuten-Feiern und die Treffen von Zünftern bescheiden. Zum Teil wurden kostümierte Umzüge vom Polizeivorstand aus aktuellem Anlass verboten. Angesichts der Unzufriedenheit weiter Kreise sollte jegliche Provokation vermieden werden. 1917 wurde sogar auf das Verbrennen des "Bööggs" verzichtet. Der für das Feuer bestimmte Betrag wurde den kranken Wehrmännern überwiesen.

Auch die Jahre nach Kriegsende gaben wenig Anlass zum Feiern. Das Sechseläuten von 1921 gab noch lange zu reden. Bereits um 14 Uhr, als die Zünfter beim Mittagsbankett sassen, steckte - so wird erzählt - ein von einem kommunistischen Gemeinderat gedungener Schüler den "Böögg" in Brand. Die aufgebrachten Zünfter sorgten sogleich für einen Ersatz-"Böögg", der punkt 18 Uhr, mit einer roten Fahne im Arm, angezündet wurde.

Zu bemerken ist, dass die Zeit vor dem ersten Weltkrieg in Zürich von anhaltender politischer Spannung zwischen dem bürgerlichen und dem sozialistischen Lager gepägt war. Die Angst vor einer marxistisch-internationalistischen Einflussnahme auf das Schweizer Geschehen wurde angesichts der drastisch zunehmenden Arbeitskämpfe immer stärker. Das bürgerliche Lager rückte näher zusammen. Im Jahr 1907 rief die Vorsteherschaft der Zunft zu den Drei Königen zu einer Kundgebungsversammlung auf dem Münsterhof auf. Gemeinsam mit allen "patriotisch gesinnten" Männern sollten die Zünfter die Befürworter des zur Abstimmung gelangenden neuen Militärgesetzes, welches den Ausbau der Milizarmee zum Ziel hatte, unterstützen.


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