Geschichtlicher Exkurs

Die Dreikönigs-Kapelle

Die Enge besass schon im Mittelalter ein ei­genes kirchliches Gebäude, das sogar dem Quartier für lange Zeit den Namen gab: Die Dreikönigskapelle. Leider sind von dieser Ka­pelle kaum noch Bilder und auch sonst nur wenige andere Zeugnisse vorhanden, da sie seit der Reformationszeit nicht mehr kirch­lich genutzt wurde.

Die Dreikönigskapelle in der Enge stand an der Ecke Bederstrasse/ Seestrasse und wird 1361 und 1367 erwähnt, wurde aber nach der Überlieferung erst 1390 geweiht. Nach Leus Stadtansicht war sie ein Bau mit Rechteck­grundriss, dreiseitigem Chorschluss und Dachreiter. Das Patronat hatte die Drei-kö­nigskapelle im Fraumünster. Im Frau-münster gab es eine Dreikönigskapelle. Der Sage nach sollen die Reliquien der Heiligen Drei Könige bei ihrer Versetzung von Mailand nach Köln im Jahre 1162 über Luzern nach Zürich gebracht und hier einige Tage vom 23. - 26. Juli verwahrt worden sein.

An der Mauer der Kapelle stand eines der zehn steinernen Kreuze, welche die Marche des Stadtbannes bezeichneten. Hier wurde am St. Otmars-Abend 1440 im alten Zürich­krieg ein Waffenstillstand geschlossen, der allerdings nicht von Dauer war.

Die Dreikönigskapelle in der Enge besass keinen eigenen Kaplan und auch nur ein ge­ringes Kirchengut. 1525, nach der Reformation, wurde die Kapelle säkularisiert und das kleine Kapellengut dem von Zwingli geschaffenen Al­mosenamt überwiesen. Die Kapelle wurde durch Anbau und Erhöhung in ein Wohnhaus umgewandelt. Die Grundmauern der Kapelle waren bis ins 19.Jh. zu sehen. Eine Feuers­brunst zerstörte 1887 das darüber befindliche Haus. Die Gemeinde Enge erwarb den Platz und brach die übriggebliebenen Mauern ab. Die letzten Reste verschwanden in den 1890er Jahren.

 

Das Bethaus Enge

Das Bethaus lag zwischen Seestrasse und Grütlistrasse. Es hatte einen rechteckigen Eingang an der Westseite und hohe Rundbogenfenster. An das längsachteckige Bethaus war gegen Süden das Schulhaus angebaut, das 1825 um eine Fensterachse verlängert wurde und bis zum Schulhausneubau an der Bederstrasse 1842 als Schulhaus diente.

Es war der Landwirt Hans Jakob Rinderknecht, der der Gemeinde einen Bauplatz für ein Bethaus zur Verfügung stellte. An freiwilligen Beiträgen wurde die für den Bau benötigte Summe zusammengebracht. Die Gemeindebewohner verzichteten während drei Jahren auf den Gemeindetrunk. Einen grösseren Betrag spendete auch der Waisenhauspfarrer J. C. Lavater. Der Staat und die Kirchgemeinde St. Peter spendeten ebenfalls eine grössere Summe (je 600 Pfund). Die Gemeinde Wollishofen lieferte zwei grosse Eichen aus ihrer Waldung. Das Bethaus wurde so ein Werk des Gemeinsinns der Engemer.

Drei Jahre nach der Landschenkung wurde 1775 der Bau des Bethauses als Lokal für die Kinderlehre in Angriff genommen und am 12. Mai 1776 fand die Einweihung durch Diakon Freitag vom St. Peter statt. Nun konnte die Kinderlehre in richtiger Weise gehalten werden.

Die Enge gehörte weiterhin zum St. Peter, deshalb fanden die Gottesdienste für die Erwachsenen auch in der St. Peterskirche statt. Erst später fanden neben der Kinderlehre zeitweise auch Gottesdienste mit Predigt im Bethaus Enge statt.

1845 wurde das Bethaus aufgewertet, indem es ein achteckiges Glockentürmchen von Holz und zwei winzige Glöcklein erhielt.

Das Bethaus wies 350 Sitzplätze auf.

Seit 1788 war das Bethaus mit dem Friedhof verbunden. Bis zu diesem Jahr hatte man die Toten in der Stadt, auf dem Friedhof zu St. Anna beerdigt. 1788 wurde der Friedhof von der Kirchgemeinde errichtet.

Am 17. Juni 1894 war der letzte Gottesdienst im Bethaus. Das Bethaus war alt geworden und vermochte den Bedürfnissen einer Gemeinde nicht mehr zu genügen. Die Enge war eben nicht mehr ein Vorörtchen, sondern ein stattliches städtisches Quartier, das dem Gemeinwesen eingegliedert worden war. Das Bethaus diente 120 Jahre lang, in welcher Zeit sich die Bevölkerung der Enge verzehnfachte. Es wurde 1899 abgetragen, das Türmlein in der Liegenschaft Bederstrasse 120 aufgestellt.

Der Friedhof konnte jedoch nicht einfach aufgehoben werden, da bis zum Jahre 1878 Beerdigungen auf dem Friedhof beim Bethaus stattfanden. Seit dem 27. Juni 1875 war das Begräbniswesen Sache der politischen Gemeinden. 1878 bereits wurde ein neuer Friedhof jenseits der Sihl bei der Papierfabrik errichtet. Diese Anlage erwies sich aber bald als eine Fehlanlage, da ein Friedhof inmitten des Industriegeländes wenig sinnvoll ist. Nach dem Bau des Friedhofes Manegg wurde dann der Friedhof an der Grütlistrasse nicht mehr benützt. Erst mit dem Bau der Bahnlinie 1924/25 wurde der alte Friedhof aufgehoben.

 
Quelle:
Homepage ref. Kirche Enge, Geschichte bis 1892, Text von Pfarrer Paulus Walter

 

 




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