Die zweite Generation (1922 – 1947)

Aufschwung, Krise, Krieg

Zunftausflug auf den Uetliberg

Das zweite Vierteljahrhundert der Zunft zu den Drei Königen war geprägt vom Aufschwung der Zwanziger Jahre, der Krise der Dreissiger Jahre und den Kriegsjahren 1939 -1945. Die Söhne und Ziehsöhne der Zunftgründer sahen der Zukunft pessimistischer entgegen als ihre fortschrittsgläubigen Väter. Wirtschaftliche Probleme und die Angst vor einem deutschen Uebergriff überschatteten immer wieder den Alltag.

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung kam auch die Lebensfreude zurück. Auch bei den Zünftern zu den Drei Königen kehrte die Festfreude zurück. Sie feierten in den Zwanziger Jahren immer wieder mit Freunden und Familienangehörigen. Auch das Sechseläuten wurde wieder eingehender gefeiert. Für 1926 wurde - zwölf Jahre nach den letzten grossen Umzug - ein kostümierter historischer Festzug zu Ehren der beiden Zürcher Dichter Gottfried Keller und Conrad Ferdinand Meyer geplant. Die Zunft zu den Drei Königen übernahm die Gruppe "Die Versuchung des Pescara". Im selben Jahr beteiligte sich eine Gruppe unserer Zunft an der 450-Jahr-Feier der Schlacht von Murten im Jahre 1476.

Das in den Zwanziger Jahren in weiten Teilen des Landes vorherrschende Lebensgefühl orientierte sich an idealisierten Werten und Gestalten der alten Eidgenossenschaft. Die Zürcher Zünfte ersetzten damals - entsprechend diesem Zeitgeist - die moderne Sprache des Vereinswesens durch altertümelnde Begriffe: aus der Generalversammlung wurde der "Hauptbott", aus den Statuten die "Satzung". 

Die nach dem Börsenkrach 1929 einsetzende Weltwirtschaftskrise führte im exportorientierten Kanton Zürich zu einer nachhaltigen Depression. Die Krise traf nicht alle Berufsgattungen gleich hart. Während die im Quartier Enge und in der Zunft zu den Drei Königen wachsende Zahl der in der Bank- und Versicherungsbranche Angestellten kaum etwas von der Krise spürte, litt der gewerbliche Mittelstand besonders stark. Einige erlitten erhebliche Einkommenseinbussen, manche gerieten sogar an den Rand des Ruins.

Erst mit der Frankenabwertung vom September 1936 setzte die wirtschaftliche Erholung und damit die Bautätigkeit wieder ein. Im Rahmen der Vorbereitungen für die Landesausstellung von 1939 wurde der üppig-mondäne „Trocadero“-Teil der alten Tonhalle und damit das Zunftlokal der Zunft zu den Drei Königen abgerissen und durch den betont nüchternen Anbau des Kongresshauses ersetzt.

Die Wirtschaftskrise warf wiederholt Schatten auf das Zunftleben. Die Teilnahme in der Kostümgruppe war für einige Zünfter unerschwinglich, zu hoch waren die Kostümmiete und die Kosten für das Bankett. In den Dreissiger Jahren häuften sich die Austrittsgesuche aus der Zunft aus finanziellen Gründen.

Für das 600-jährige Jubiläum der Brun'schen Zunftverfassung 1936 planten die Zünfte zunächst einen grossen historischen Sechseläuten-Unzug. Den Zeitumständen entsprechend wurde jedoch dieses Jubiläum in einfacherem Rahmen durchgeführt, mit einem Kinderumzug und einem Zug der Zünfte zum Feuer mit einem anschliessenden Festakt auf dem Münsterhof. 

Am Sechseläuten 1937 zogen knapp 30 Zünfter in historisch getreuen Uniformen der Zürcher Schiffskompagnie von 1805 mit einem alten "Neptun" aus der Zürichseeflotte nachgebildeten Schiff durch die Strassen der Stadt.

1937 konnte die Zunft zu den Drei Königen auf 40 Jahre Geschichte zurückblicken. Der langgehegte Wunsch, eine eigene Kostümgruppe zu besitzen, konnte, dank dem Opferwillen der Zünfter und dank dem grossen Einsatz von Albert Stifel, Josef Rothmayr, Oskar Kulli, Rudolf Mooser und Emil Stüber, auf diesen Festtag verwirklicht werden: Am Sechseläuten zogen knapp 30 Zünfter in historischen Uniformen der Zürcher Schiffskompagnie von 1805 mit einem der alten "Neptun" aus der Zürichseeflotte nachgebildeten Schiff durch die Strassen der Stadt.

1939 marschierten an den Sechseläuten-Feierlichkeiten zum ersten Mal die uniformierten Kadetten mit. Eine Gruppe der Schiffskompagnie reiste später nach Genf und begrüsste dort den Lordmayor von London.

Mit der Generalmobilmachung 1939 änderte sich das Zunftleben. Viele Zünfter wurden einberufen. Die Vorsteherschaft versuchte zwar, so gut es ging, den Kontakt zwischen den Zünftern aufrecht zu erhalten, doch die zünftigen Anlässe wurden immer schlechter besucht, so dass schliesslich viele gänzlich aufgegeben werden mussten. In den Kriegsjahren 1940 bis 1945 wurde auf Sechseläuten-Festumzüge verzichtet. Man traf sich  zum gemeinsamen Mittagessen in den Zunftstuben und zog gegen 18:00 Uhr zum „Böögg“. In den Jahren1939 bis 1943 wurden - wenn auch in reduziertem Rahmen - die Kinderumzüge durchgeführt.

Mit Ausbruch des Krieges und unter dem verstärkten Gefühl der Bedrohung beschlossen die wenigen, an der Vorsteherschaftssitzung vom 27.11.1939 anwesenden Zünfter, eine Evakuierung des Zunftschatzes vorzubereiten

1943 wurde der "Böögg" auf dem Hafendamm Enge verbrannt, da auf dem alten Tonhalleplatz Kartoffeln angepflanzt waren. Die Enge, das Quartier der Zunft zu den Drei Königen, wurde dadurch zum Zentrum der Sechseläuten-Feierlichkeiten.


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