Die dritte Generation (1948 – 1972)

Wohlstand, Wehrbereitschaft und ein neuer Stil

Die Nachkriegszünfter erlebten eine Phase beispielloser Hochkonjunktur mit stetig wachsendem Wohlstand. Der vorherrschende Optimismus ging einher mit einer anhaltenden Wehrbereitschaft angesichts des Kalten Krieges. Neue Werte und Leitbilder beeinflussten das Zunftleben und die Zünfter.

Nach den kriegsbedingten Einschränkungen erfolgte die allmähliche Reaktivierung des Zunftlebens. 1948 wurden die monatlichen Stammtischzusammenkünfte im Restaurant "Sternen" wieder aufgenommen. Es wurde beschlossen, inskünftig den Dreikönigstag zu feiern.

Das äussere Erscheinungsbild der Zunft zu den Drei Königen blieb zudem - wie in der Vorkriegszeit - recht düster und wenig attraktiv: Abgesehen von den wenigen farbig kostümierten Zünftern marschierte am Sechseläuten eine Ansammlung dunkel gekleideter, meist älterer Herren mit militärisch kurzen Haaren und dunklen Hüten - sogenannte "Kohlensäcke" - durch die Strassen der Stadt.

Witzig - freche Eigenproduktionen brachten Farbe ins Zunftleben.

Ganz im Gegensatz zum düsteren Aeusseren brachten damals witzig-freche Eigenproduktionen Farbe ins Zunftleben. Die jüngeren Zünfter griffen zur Initiative und organisierten verschiedene Unterhaltungsprogramme, welche auch grössten Teils selbst geschrieben und einstudiert waren.

 

Der Aufruf zur Erneuerung der Zunft wurde ernst genommen und umgesetzt. Zuerst befasste man sich mit der Kopfbedeckung und brachte Änderungen an, danach wurden Events für die ganzen Zünfterfamilien organisiert und neue Zunftmitglieder angeworben.

Eine verstärkte und verjüngte Zunft feierte 1951 ein grossartiges Sechseläuten anlässlich der Sechshundertjahrfeier des Beitritts Zürichs zur Eidgenossenschaft. Die Zunft zu den Drei Königen übernahm die Darstellung der Zürcherischen Schiffskompanie mit der zweiten "Neptun".

Ab 1949 spannte man vermehrt mit den anderen Zünften zusammen und sprach die Daten ab, so dass man sich gegenseitig besuchen konnte. Die nächtlichen Streifzüge am Sechseläuten endeten oft bei unangenehmen Zwistigkeiten oder Schlägereien. Dies war zwar brisanter Stoff für die Reden auf den Zunfstuben, strapazierten jedoch wiederholt die Beziehungen zwischen den Zünften. Doch diese Unstimmigkeiten waren auch kurze Zeit später schon wieder vergessen.

Ein anhaltender Wirtschaftsaufschwung brachte wesentliche Veränderungen im Lebensstil der Zürcherinnen und Zürcher. Auch die Zunft zu den Drei Königen brachte mit ihrem stets bunter werdenden Erscheinungsbild die wachsende Prosperität ihrer Mitglieder zum Ausdruck. Eine erste Dekoration stellte der 1949 bestellte neue Fez dar. 1955 erhielt die Zunft von ihren Veteranen ein neues Zunftbanner.

Die beiden abstrakten Einladungskarten widerspiegeln den durch Rationalisierung und Effizientzsteigerung geprägten Arbeitsstil der Fünfzigerjahre.

Die Arbeitswelt der Nachkriegszeit war geprägt von Effizienz und Rationalisierung. Entsprechend wurde auch das Zunftleben rationalisiert. 1958 kam die Abstraktion zu ihrem Höhepunkt, als stellvertretend für die Zunft zu den Drei Königen nur noch die fünf Buchstaben "ZZDDK" standen.

1962 entstand die „Drei- Königen-Wappengruppe“, die seither die Zunft am Sechseläuten anführt. 1968 waren die meisten Zünfter kostümiert. Sie tragen seither die Kostüme des 2. Rokoko. In jener Epoche brachte die Enge viele berühmte Männer hervor, wie Dichter Gottfried Keller, Eisenbahnkönig Alfred Escher und Stadtingenieur Arnold Bürkli.

Seit 1962 gehört das von Werner Rothmayr in Leben gerufene und alle zwei Jahre stattfindende Zunftschiessen - ein zünftig-sportlicher Anlass - zur Zunft-Tradition.

1968 trat Dr. Kurt Hasler von seinem Amt als Zunftmeister zurück. Sein Nachfolger wurde Prof. Dr. Werner Richarz, der als akademischer Lehrer und Oberst natürliche Autorität mit Konzilianz gegenüber den Mitmenschen zu verbinden wusste. In seiner 10-jährigen Amtszeit als Zunftmeister, 1969 bis 1978, einer Zeit der Bewegung und Umwälzungen, leitete er auf subtile Weise eine Oeffnung der Zunft ein. Höhepunkt seiner Amtszeit war das 75-Jahr-Jubiläum der Zunft zu den Drei Königen, das mit einer rauschenden Ballnacht im Foyer der Tonhalle gefeiert wurde.


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